Durch Muskelkraft Kosten sparen
Um die gesamte Finanzierung eines Bauvorhabens günstiger zu machen wird die Baufinanzierung oft mit viel Eigenleistung berechnet.
Eigenleistung sind Arbeiten am Bau, die nicht von Firmen oder Handwerksbetrieben sondern vom Bauherrn selbst bzw. dessen Verwandschaft, Nachbarn, Freunden oder Bekannten durchgeführt wird. Dadurch spart man sich den Arbeitslohn für Fachkräfte. Dies drückt die Baukosten.
Tatsächlich können Handwerklich versierte Bauherren mit einem flinken Händchen durch Eigen-Leistung viel Baugeld sparen. Des weiteren kann der Erbauer hier direkt nachvollziehen "wie gut" sein Haus gebaut wurde, da viel Arbeiten selbst durchgeführt wurden und man nicht einer Fremdfirma vertrauen muss. So mancher Bauherr kann besser schlafen wenn er selbst die Arbeiten durchgeführt bzw. begleitet hat und genau weiss das "kein Pfusch gemacht wurde" und keine Baumängel vorliegen.
Leider enstehen solche Baumängel auch oft gerade durch die Eigenleistung, dann jedoch ungewollt. Der Grund liegt nahe: Durch die Einsparung der Löhne von Fachkräften und Experten leidet ungewollt die Qualität der selbst verrichteten Arbeiten, da hier meistens "Laien" am Werk sind. Daher gilt grundsätzlich: wenn Arbeitslohn für Fachkräfte gespart werden soll, dann am besten dort, wo wenig Fachwissen erforderlich ist (wie z.B. Maler und Tapezierarbeiten). Je nach Fertigkeiten und Kenntnissen der "Helfenden" können auch schwierigere Arbeiten durchgeführt werden. Weniger empfehlenswert ist die eigene Durchführung von Elektroinstallation, Gas/Wasser Installation oder Isolationsarbeiten (z.B. Dach, Keller). Ausserdem sollten die Arbeiten wenigstens von einem Fachmann kontrolliert und/oder begleitet werden.
Auch die Höhe des ersparten Geldes wird oft viel zu hoch angesetzt und so die Baufinanzierung schöngerechnet. Viele Bauherren wünschen sich eine Reduzierung der Baugeld-Kosten um 50% und sind sich auch sicher das Sie dies wirklich schaffen. Der Fehlerteufel liegt hier in der Selbstüberschätzung. Trotz noch so grossem Tatendrang und Motivation sollte man realistisch bleiben. Die meisten Bauherren gehen einer normalen Arbeitstätigkeit nach. Dies bedeutet das die Eigenleistung Abends nach Feierabend oder am Wochende erbracht werden muss. Viel Zeit bleibt also nicht um den Eigenanteil zu verrichten. Dies stellt eine hohe Belastung für den Bauenden und dessen Familie dar. Dies über die gesamte Bauzeit durchzuhalten wird schwierig und auch die höchste Motivation schwächt hier nach und nach ab.
Daher hat eine Überschätzung von fachlichen und zeitlichen Möglichkeiten meist zur Folge, das sich die Bauzeit immer mehr verlängert. Hierzu tragen z.B. Nacharbeiten bei, die nicht eingeplant wurden oder man benötigt schlicht länger als geplant für die selbst durchzuführenden Tätigkeiten. Dies verursacht eine deutlich längere finanzielle Doppelbelastung des Bauenden. Denn schliesslich mus man in der Bauzeit seine bisherige Miete zusätzlich zur Kreditrate der Baufinanzierung aufbringen. Erst beim Einzug ins Eigenheim fällt die Miete weg. Man zahlt sozusagen währen der Bauzeit doppelt. Je länger die Bauzeit ist, umso mehr Kosten entstehen dem Bauherren. Wenn sich die Bauzeit durch die Eigenleistung verlängert, schmilzt die erhoffte Kosten-Einsparung mit jedem Monat an doppelter Belastung ein bischen mehr.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Kostenplanung für Material etc. Denn nicht nur verlorene Zeit verursacht ungeplante Kosten sondern auch eine falsche Kalkulation der Materialkosten kann für ungeahnten Mehraufwand sorgen. Daher gilt es genau zu rechnen wieviel man für das Material (Bausstoffe, Werkzeug etc.) an Geld braucht. Hinzu kommt zu diesem Punkt das man als Privatkunde oft nicht die gleichen Rabatte und Nachlässe bekommt wie Firmen (den diese nehmen deutlich grössere Mengen ab). Auch dies kann die Kosten erhöhen.
Muss ein in Eigenleistung realisierter Bauteil/Bauabschnitt/Gewerk nochmal nachgebessert werden oder treten nach nach Jahren Mängel auf, so muss die Wiederinstandsetzung/Nachbesserung selbst gezahlt werden. Hätte man eine Firma beauftragt, so hätte man Anspruch auf Gewährleistung. Für alles in Eigenleistung gefertigte muss man selbst aufkommen und hat keinen Anspruch auf Garantie oder Gewährleistung. Es seiden die Ursachen liegen in den verwendeten Baustoffen. Dann kann evt. der Hersteller der Baustoffe haftbar gemacht werden und muss den Schaden ersetzen. Dies jedoch kann in langwierigen Rechtsstreiten enden...ob man dann wirklich "Recht bekommt" ist die andere Frage.
Wichtig ist auch die Absicherung der Helfer. Alle Mitwirkenden sollten bei der zuständigen Behörde (Berufsgenossenschaft) gemeldet sein. Denn im Falle eines Unfalls auf dem Bau ist sonst keiner der Helfer versichert.
Fazit: Durch Eigenleistung kann man bei der Baufinanzierung viel Geld sparen. Tüchtige Bauherren mit etwas Geschick können hierbei schonmal den Wert eines Kleinwagens einsparen. Jedoch sollte sich die Finanzierung nicht auf die Eigenleistung stützen sondern die Selbst verrichteten arbeiten sollten lediglich den Baukredit etwas vergünstigen. Wichtig sind realistische Einschätzung des möglichen, gute Planung sowie Kontrolle und Rat vom Fachmann.
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