Als Reaktion auf die Finanzkrise: Banken sollen Geschäfte mit mehr Eigenkapital absichern
Aktuell finden Verhandlungen über das Regelwerk "Basel III" statt. Grund dafür ist, dass nach der Finanzkrise die Banken dazu verpflichtet werden sollen, ihre Geschäfte mit mehr Eigenkapital abzusichern. Doch für zahlreiche Banken ist dies einfach nicht machbar. Schon alleine die deutschen Banken bräuchten dann, wenn die Regelung umgesetzt wird, zusätzlich 100 Milliarden Euro. Eine solche Regelung würde darüber hinaus auch Privatpersonen betreffen. Wenn sich die Banken das Geld nicht beschaffen können, bedeutet dies nämlich auch weit reichende Folgen für die Kreditvergabe.
Banken fehlen 100 Milliarden Euro
Allein in den zehn größten deutschen Instituten fehlen 100 Milliarden Euro, sofern das neue Regelwerk "Basel III" umgesetzt wird. Dies würde bedeuten, dass bereits ab 2013 die Kapitaldecke verdoppelt werden müsste. Viele Experten sehen darin ein Problem, so auch Hans-Joachim Massenberg vom Bundesverband deutscher Banken. In einem Interview sagte Massenberg: "Die Banken müssen sich in der Umsetzung der Baseler Beschlüsse neues Eigenkapital am Markt besorgen."
Weiter erklärte er, dass viele Kreditinstitute keinen unmittelbaren Zugang zum Kapitalmarkt hätten. Seiner Meinung nach dürfte es schwierig werden, das Eigenkapital aus einbehaltenen Gewinnen kurzfristig zu erwirtschaften. Massenberg betonte, dass man sich deswegen darauf einstellen müsse, dass die Kreditinstitute die Kreditvergabe einschränken.
Weniger Kreditvergaben?
Von der Auspolsterung der Kapitaldecke betroffen wären hauptsächlich die Landesbanken. Bislang konnten diese mit ihrer rein staatlich gestützten Bonität am Markt wirtschaften. Im Regelwerk von "Basel III" ist aber vorgesehen, dass alle Kredite, die vergeben werden, in einem höherem Maß als bisher mit Eigenkapital der zuständigen Banken abgesichert werden müssen. Daraus folgt, dass zahlreiche Banken weniger Kredite vergeben werden, damit der Vorrat an Eigenkapital ausreicht.
Wirtschaftsexperten sehen darin ein großes Problem, denn es drohen massive konjunkturelle Verwerfungen. Massenberg erklärte, dass es Probeberechnungen gäbe, welche zu dem Ergebnis kommen, dass das alleine an die Grenze von 1000 Milliarden Euro gehen wird. Fatal könnte es auch sein, das neue Regelwerk innerhalb kürzester Zeit umzusetzen, denn dann drohen nicht nur massive konjunkturelle Verwerfungen sondern auch Probleme am Arbeitsmarkt.
Heftige Diskussionen in Basel
Und eben diese Probleme sind es, die derzeit in Basel diskutiert werden. Die Rede ist davon, dass die so genannte "Stille Einlage", die es in dieser Form nur in Deutschland gibt, wegfallen soll. Doch derzeit wird dieses Instrument beispielsweise bei der Commerzbank angewendet. Durch dieses Instrument ist der Staat als stiller Teilhaber mit fast 25 Prozent beteiligt. Wenn diese Regelung abgeschafft wird, dann gilt die entsprechende Summe nicht mehr länger als volles Eigenkapital der Bank.
Zwar laufen die Verhandlungen momentan noch, doch die Börse reagiert bereits. So stehen zahlreiche Aktien von deutschen Geldinstituten massig unter Druck.
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